Konserven und Vorräte sind das Rückgrat jeder Krisenvorsorge. Aber Lagerbestände sind endlich. Wer langfristig denken will, kommt irgendwann an den Punkt, wo es um aktive Nahrungsbeschaffung geht. Jagd mit modernen Schusswaffen setzt Munition voraus, die im Krisenfall knapp werden kann. Der Bogen funktioniert ohne externe Versorgungskette: Pfeile lassen sich wiederverwenden, notfalls selbst herstellen, und das Gerät selbst ist langlebig und wartungsarm. Das macht Bogenschießen zu einer Fertigkeit, die in ernsthaften Vorsorgekonzepten mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie gewöhnlich bekommt.
Was Bogenjagd von Bogensport unterscheidet
Im Sport geht es um Präzision auf definierte Entfernungen, meist 18 Meter in der Halle oder bis 70 Meter im Freien, auf statische Scheiben. Jagd funktioniert anders. Das Wild bewegt sich, die Distanz ist selten genau bekannt, Lichtverhältnisse und Stress kommen hinzu. Wer Bogenjagd als Krisenfertigkeit ernstnimmt, muss deshalb von Anfang an anders trainieren als ein reiner Turnierschütze.
Konkret bedeutet das: 3D-Parcours statt Scheibentraining, wechselnde Abstände zwischen 5 und 35 Metern, Schießen aus unterschiedlichen Körperhaltungen und Winkeln, auch leicht erhöht oder kniend. Dazu gehört das Lesen von Trefferzonen an Wildtieren. Bei einem Rehbock liegt das Herz-Lungen-Ziel in einem Bereich von rund 20 mal 20 Zentimetern. Ein Treffer außerhalb davon führt zu langem Nachsuchen oder verlorenem Wild. Das erfordert Wiederholung unter realitätsnahen Bedingungen.
Die richtige Ausrüstung für den Ernstfall
Für Einsteiger, die auf Nutzwert setzen, ist ein Recurvebogen mit 35 bis 45 Pfund Zuggewicht ein sinnvoller Einstieg. Dieser Bereich reicht für Reh und ähnliches Kleinwild aus, überfordert den Körper im täglichen Training aber nicht. Ein Compoundbogen bietet mechanische Vorteile durch das Rollensystem, ist aber komplexer in der Wartung und störungsanfälliger bei Verschleiß von Kabeln und Rollen.
Pfeile sollten aus Aluminium oder Carbon bestehen. Holzpfeile haben ihren Reiz, reagieren aber stärker auf Feuchte und Beschädigung. Für die Jagd braucht man Breitblatt-Spitzen mit mindestens zwei Schneiden, sogenannte Broadheads. Diese müssen zum Bogen eingeschossen werden, da sie anders fliegen als Feldspitzen. Eine Reserve von 12 bis 20 Pfeilen ist eine realistische Grundausstattung.
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Wartung und Robustheit
Ein traditioneller Recurvebogen besteht im Wesentlichen aus drei Teilen, lässt sich zerlegen und in einem kleinen Rucksack transportieren. Die Bogensehne ist das einzige Verbrauchsmaterial mit regelmäßigem Wechselbedarf. Eine Sehne hält bei normalem Gebrauch zwei bis vier Jahre, kostet zwischen 15 und 30 Euro und sollte mindestens zweifach auf Vorrat liegen. Sehnenwachs verlängert die Lebensdauer merklich und wiegt kaum etwas.
Trainingsaufbau: Realistische Zeitrahmen
Innerhalb von drei bis sechs Monaten regelmäßigen Trainings, konkret drei bis vier Einheiten pro Woche à 30 bis 45 Minuten, lässt sich eine Grundkompetenz aufbauen, die für Jagd auf kurze Distanzen ausreicht. „Kurze Distanz“ heißt in der Praxis 15 bis 25 Meter, was für Pirschjagd auf Rehwild realistisch ist. Wildschweinjagd und größere Tiere setzen mehr Erfahrung und höhere Zuggewichte voraus.
Das Bogensport Netzwerk Österreich, darunter der Bogensport Netzwerk Österreich, zeigt exemplarisch, wie gut organisierte Gemeinschaften Wissenstransfer, Trainingsgelände und Parcours für genau diese Art von praxisnahem Lernen bereitstellen können. Solche Strukturen sind auch für Vorsorge-orientierte Schützen wertvoll, weil sie Zugang zu 3D-Parcours und erfahrenen Trainern bieten.
Ein häufiger Fehler: zu früh zu schwer. Wer mit 50 Pfund anfängt, riskiert Überlastungsschäden an Schulter und Rotatorenmanschette, die das Training für Wochen unterbrechen. Besser mit 30 Pfund beginnen und nach zwei bis drei Monaten steigern, wenn Technik und Muskulatur mitgewachsen sind.
Rechtliche Lage in Deutschland und Österreich
Hier gibt es klare Unterschiede zwischen Sport und Jagd. In Deutschland ist Bogenjagd grundsätzlich verboten. Der Bogen gilt nach dem Bundesjagdgesetz nicht als zulässige Jagdwaffe. Das bedeutet: Wer in Deutschland mit dem Bogen auf Wild schießt, begeht eine Straftat, unabhängig von der Krisensituation.
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In Österreich ist Bogenjagd hingegen in mehreren Bundesländern legal, darunter Steiermark und Kärnten, jedoch an strenge Voraussetzungen geknüpft: Jagdschein, spezielle Bogenjagdprüfung, Mindestzuggewicht von 18 Kilogramm (rund 40 Pfund) und Breitblatt-Spitzen mit bestimmten Mindestmaßen. Die Schweiz erlaubt Bogenjagd unter ähnlichen Auflagen in einzelnen Kantonen.
Für den rein sportlichen und vorbereitenden Einsatz im Trainingsbereich gelten diese Einschränkungen nicht. Den Bogen als Werkzeug zu beherrschen, ist legal. Der Einsatz zur Jagd ohne entsprechende Genehmigung ist es in Deutschland nicht.
Praktische Fähigkeiten jenseits des Schießens
Wer ernsthaft Selbstversorgung durch Jagd trainieren will, braucht mehr als Schussfertigkeiten. Dazu gehören:
- Pirsch und Anstand: Sich leise bewegen, Wind beachten, Standorte wählen, an denen Wild vorhersehbar auftaucht
- Wildbreterkennung: Rehwild, Wildschwein, Hase und Feldhase sicher unterscheiden, auch in schlechtem Licht
- Aufbrechen und Versorgen: Ein Reh muss innerhalb kurzer Zeit nach dem Erlegen ausgenommen werden. Das ist erlernbar, erfordert aber Übung und scharfes Messer
- Nachsuche: Nicht jeder Treffer ist sofort tödlich. Den Pirschzeichen folgen zu können, ist eine eigenständige Kompetenz
- Lagerung: Ohne Kühlung muss Wildfleisch schnell verarbeitet werden. Trocknen, Räuchern und Einsalzen sind sinnvolle Ergänzungsfertigkeiten
Einordnung: Was der Bogen kann und was nicht
Der Bogen ist kein Allheilmittel und kein Ersatz für ein durchdachtes Vorratslager. Er ist ein Werkzeug mit einer steilen Lernkurve und klaren rechtlichen Grenzen. Was ihn interessant macht, ist seine Unabhängigkeit: keine Munition, kein Schwarzpulver, keine externe Logistik. Ein gut gepflegter Recurvebogen ist nach zehn Jahren noch funktionsfähig, wenn man ihn trocken und vor direktem Sonnenlicht schützt.
Für Menschen, die langfristige Selbstversorgung ernst nehmen, lohnt es sich, früh mit dem Training anzufangen. Nicht weil eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht, sondern weil Fertigkeiten Zeit brauchen. Wer erst dann mit dem Üben beginnt, wenn er die Fähigkeit braucht, hat zu spät angefangen.
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